Barrierefreier S-Bahnhof Puchheim?

 

Eine Stellungnahme von Seniorenbeirat und Behindertenbeirat

 

Von der Bahn vorgelegter Plan mit Umbau des Mittelbahnsteigs

 

  1. Die bisherige Unterführung bleibt wie sie ist und wird somit nicht barrierefrei !!!
  2. Ca 75m lange Rampen auf der Nordseite und auf der Südseite führen zu einer neuen Unterführung. Die längsten Wege müssen Personen mit Mobilitäts­einschränkungen zurück legen.
  3. Geplant ist eine neue, sehr schmale Unterführung (nur 2,5 m breit) in der Mitte des Mittelbahnsteigs. Die Unterführung ist von außen nicht einsehbar und kann besonders bei Dunkelheit zur „Angströhre“ werden. Auch besteht die Gefahr, dass die Unterführung zu einem Treffpunkt von Alkoholikern und Drogen­abhängigen wird. Mit massiven Verschmutzungen ist aufgrund der Lage zu rechnen. Eine Videoüberwachung wird kaum abschrecken, da sie leicht sabotiert werden kann und weil nach Aussage der Bahn nur im Schadensfall eine Auswertung etwaiger Aufzeichnungen erfolgt.
  4. Ein Lift soll die neue Unterführung mit dem Mittelbahnsteig verbinden. Fällt der Lift aus (Vandalismus oder technischer Defekt) können Personen mit einge­schränkter Mobilität, z. B. mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen  weiterhin den Bahnsteig nicht stufenfrei verlassen, bzw. den Bahnsteig nicht erreichen.
  5. Im Bereich des Lifts und der zusätzlichen Treppe ist der nutzbare  Abstand zur Bahnsteigkante teilweise unter 2m.  Zudem bewegen sich Personen u. U. in entgegengesetzten Richtungen. Bei schnellen Zugdurchfahrten mit bis zu 160 km/h besteht ein hohes Risiko im Bereich der Engstellen (Lift und Treppenabgang) vom Luftsog mitgerissen zu werden (siehe Unfälle in Rosenheim, Kinderwagen MM 28.4.2018 und Unterschleißheim, 2 junge Männer mitgerissen SZ 17.5.2018)

 

 

Gewünschte Alternative

 

Neuer Außenbahnsteig auf der Nordseite des Bahnhofs, je ein Aufzug von beiden Außenbahnsteigen in die bestehende Unterführung.

Bei Bedarf durch die Bahn zusätzlicher Erhalt des Mittelbahnsteigs.

 

Dies hätte folgende wesentlichen Vorteile :

 

  1. Der nördliche Außenbahnsteig könnte über eine kurze Rampe jederzeit erreicht oder verlassen werden
  2. Zwei Aufzüge in die bestehende Unterführung machen diese barrierefrei. Auch wenn diese Aufzüge ausfallen kann man die Unterführung jederzeit stufenfrei passieren.
  3. Es gibt auf dem Bahnsteig keine gefährlichen Engstellen.
  4. Die bestehende Unterführung ist wesentlich breiter, von allen Seiten gut einsehbar und wird von vielen Menschen benutzt. Dadurch wäre die unverzichtbare soziale Kontrolle gegeben.

 

 

Fazit:

 

Da der geplante Umbau des Puchheimer Bahnhofs für die nächsten Generationen Bestand haben wird, sollte echte Barrierefreiheit angestrebt werden, die allen Menschen mit Handicap die uneingeschränkte Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht. Die offensichtlichen Nachteile der derzeitigen Planung dürfen nicht ignoriert werden.

Hierfür setzen sich die Puchheimer Beiräte auch weiterhin ein.

Dr. Karl-Heinz Türkner                                                                             

Vorsitzender des Seniorenbeirats

                                                                

Dr. Richard Ullmann

Vorsitzender des Behindertenbeirats